The Revenant – Der Rückkehrer

Viel Natur, viel Gewalt

Bild via 20th Century Fox

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Verrat und Vergeltung, das sind die zwei großen Motive von The Revenant – Der Rückkehrer. Angetrieben davon, erleidet der Held der Handlung, Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), auf seiner Odyssee durch den unerforschten Norden Amerikas Anfang des 19. Jahrhunderts eine Tortur, die seinesgleichen sucht. Dabei spielt jedoch die Natur eine größere Rolle, als der Mensch selbst. Der Protagonist und seine Geschichte rücken über weite Strecken zugunsten der atemberaubenden Naturaufnahmen in den Hintergrund, sodass man sich teilweise wie in einem sehr guten Dokumentarfilm vorkommt. Der Hauptdarsteller wird zum Nebendarsteller, um Platz für die Kulisse zu machen. Eine wunderschöne und bezaubernde Kulisse zwar – die in echtem Licht in der rauen Wildnis, statt im Filmstudio, über mehrere Monate gedreht wurde, was heutzutage eine Seltenheit ist und Strapazen für die Filmcrew bedeutete -, aber dennoch eine Kulisse.

Die Schönheit der Brutalität

Bild via 20th Century Fox

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Die klaren Highlights des Films sind neben den atemberaubenden Naturaufnahmen, die Kampfsequenzen. Ob Indianer gegen Trapper, Bär gegen Trapper oder Trapper gegen Trapper, die Kämpfe sind brutal und intensiv und gleichzeitig so gut choreografiert, dass sie einen einfach nur packen und nicht mehr loslassen. Angefangen mit einem Massaker, das durch seine Kamerafahrten von einem Opfer zum nächsten betört und verstört, bei dem die Involvierten teilweise wie Dominosteine umfallen und sich zum Sterben die Klinke in die Hand geben. Nie wurde Gemetzel schöner inszeniert. Darauf folgt der nächste „Wow“-Moment. Der Angriff des Bären, der die Geschichte vollends ins Rollen bringt. Und obwohl man heutzutage verblüffende Effekte gewöhnt ist, kann man doch nicht anders, als sich zu fragen, wie diese Szene umgesetzt wurde. Dabei wird mit dem Hauptdarsteller keineswegs schonend umgegangen. Den Abschluss macht einer der wohl besten und intensivsten Zweikämpfe der Filmgeschichte.

Auf dem Weg verirrt

Bild via 20th Century Fox

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Doch irgendwo auf seinem Weg verirrt sich Regisseur Alejandro G. Innaritu (Amores Perros, Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)). Die spirituell anmutenden Rückblicke zu Frau und Sohn tragen leider nicht dazu bei, dem Zuschauer die Schwere ihres Verlusts näherzubringen. Das Rachemotiv, das Glass scheinbar am Leben hält und durch diese erbarmungslosen Umstände treibt, ist nachvollziehbar, man verspürt jedoch nie das Bedürfnis, den einsamen Trapper anzufeuern, zu seinem Erzfeind zu gelangen, um die lang ersehnte Vergeltung zu üben. So wird der Weg durch die Widrigkeiten der Wildnis etwas lang – auch wenn das wohl die Gefühlslage des Helden widerspiegelt -, eine geradlinigere Erzählweise mit ein paar weniger Szenen, auf die man verzichten hätte können, hätten dem Film womöglich mehr Energie verliehen. Nicht, dass es nicht actionreiche, aufwühlende Szenen gibt, doch folgen auf diese stetig Szenen ohne Inhalt. Man braucht nicht in jedem Film zwei Stunden Action Non-Stop wie zum Beispiel in Mad Max: Fury Road, und in Eis eingeschlossene Pflanzen, vereiste Wasserfälle und riesige Bergmassive sind wunderschön anzuschauen, dennoch bringen sie die Geschichte nicht voran.

Trotz aller Fehler ein Augenschmaus

Alejandro G. Innaritu hat für diesen Film seine Darsteller und Crew ans Äußerste getrieben, und das hat nicht nur große, sondern überragende Momente hervorgebracht, irgendwann verzettelt er sich jedoch in der Erzählung dieser doch eigentlich so einfachen Geschichte. Aber trotz all seiner Fehler sollte man sich den Film im Kino anschauen, denn nie war die Natur schöner und gefährlicher zugleich, als in diesem Epos, und die Kampfszenen allein sind Meisterwerke in sich, die die etwas kreisende Handlung ausgleichen. Der Cast gibt vollen Einsatz – mehr als einmal fliegt Spucke durch die Luft, sodass man froh ist, dass der Film nicht in 3D läuft. Vorne voran sind Leonardo DiCaprio (The Beach, Aviator) und Tom Hardy (Star Trek: Nemesis, The Dark Knight Rises). Der eine kämpft sich durch die Kälte, mal Spucke durch die Zähne pressend, mal mit Dreck im Mund, mal rohes Fleisch verzehrend, Strapazen ertragend, verunstaltet, auf dem Boden robbend, von eisigem Wasser sowie einem Bären durchgeschleudert – der andere besticht durch seine skrupellose, fast manische Art und sein intensives Spiel, das allein mit einem Blick Bände spricht. Und egal wie groß der heimische Fernseh- oder Computerbildschirm ist, man wird auf ihm nicht die Grandiosität der Bilder erleben können wie auf der großen Kinoleinwand.

Bild via 20th Century Fox

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Wer sich vorstellen möchte, wie Bear Gryllz auf einem Rachefeldzug durch das 19. Jahrhundert ausgesehen hätte, darf diesen Film nicht verpassen.

Randnotiz: Man hätte wohl nie damit gerechnet, doch eine Hommage an Das Imperium schlägt zurück hat es in den Film geschafft.

Some Call Me The Joker

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1 Antwort

  1. 23. November 2016

    […] Ähnliche News: Bär gegen Mann: Lest die Filmkritik zu The Revenant – Der Rückkehrer […]

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