Avengers: Age of Ultron

Die Übernahme der Maschinen… schon wieder

Das zweite Abenteuer, dass die Helden Iron Man, Captain America, Thor, Hulk, Black Widow und Hawkeye erneut im Marvel-Universum zusammenbringt, setzt wie der erste Teil auf Action, Action und nochmals Action. Gleich zu Beginn von Avengers: Age of Ultron nehmen die titelgebenden Helden eine Festung der Terrororganisation Hydra ein, um das Zepter von Loki, Thors Adoptivbruder, aus den Händen des bösen Naziablegers zurückzuerlangen. Besagtes Zepter ist nämlich eine mächtige Waffe, mit der man Menschen seinem Willen unterordnen und anscheinend auch genmanipulieren kann.
Denn, wie Nazis nun mal so sind, haben sie Experimente an Menschen durchgeführt, von denen nur zwei überlebt haben: Die Zwillinge Pietro und Wanda Maximoff alias Quicksilver und Scarlet Witch. Pietro ist superschnell und Wanda hat übersinnliche Kräfte, mit denen sie unter anderem den Geist von Menschen manipulieren und kontrollieren kann. Die beiden sinnen auf Rache an den Avengers, insbesondere an Tony Stark, da Bomben aus dem Hause Stark Industries ihre Eltern getötet haben und auch sie fast das Leben gekostet hätten.
Nachdem das Zepter zurückerobert wurde, stößt Stark auf eine künstliche Intelligenz, die er sofort in sein computerbasiertes Schutzsystem einspeisen will, um so die Menschheit mittels einer Armee von Robotern zu verteidigen, die das Programm kontrollieren soll. Hilfe bekommt er dabei von Bruce Banner, der, wenn er sich nicht gerade als haushohe, grüne Abrissbirne austobt, auch noch begnadeter Wissenschaftler ist.
Das Programm, das Stark Ultron tauft, erwacht und übernimmt Kontrolle über Starks anderes Programm, JARVIS, das für sein ganzes Unternehmen zuständig ist. Konfrontiert mit der Zerstörungswut der Menschen, die Ultron im Internet aufschnappt (ähnlich wie Leeloo in Das fünfte Element), beschließt das Programm, dass das Problem der Menschheit die Menschen selbst sind. Ab jetzt versucht er mit allen Mitteln sein Ziel „Frieden für unsere Zeit“ umzusetzen, und das erste Hindernis, das er dabei aus dem Weg räumen muss, sind die Avengers. Unterstützung bekommt er dabei von den Zwillingen. Lasset die Spiele beginnen!

Amerikanische Heldensagen

Insgesamt sind die Darstellungen solide. Es gibt nichts zu beklagen an den schauspielerischen Leistungen. Es hat aber auch niemand die Chance zu brillieren. Es bleibt nicht viel Zeit für große Darstellungen und Emotionen, aber das war wohl auch nicht das Ziel der Filmemacher. Regisseur Joss Whedon (Marvel’s The Avengers, Buffy – Im Bann der Dämonen) legt den Fokus auf Action und die Hochhebung seiner Helden in einen übermenschlichen Status. Amerika hat seine eigene Mythologie erschaffen und möchte seine Götter nicht fallen sehen. Schade, denn gerade das hat das griechische Drama ja so großartig gemacht. Die übermenschlichen Kräfte und Fähigkeiten der Helden und Götter sind nur halb so interessant, wenn sie nicht von menschlichen Schwächen begleitet werden, mit denen wir mitfühlen können.

Zu wenig Zeit für zu viele Charaktere

Avengers: Age of Ultron ist ein unterhaltsamer Film. Es ist natürlich schwer in einem Streifen mit so vielen Charakteren Platz für Entwicklung der Persönlichkeiten zu finden, dennoch wären tiefergehende Blicke in die Psychen der Helden, als auch der Schurken schön gewesen und hätten die Anteilnahme an den Schicksalen der Protagonisten um Welten gesteigert. Mit Ausnahme von Bruce Banner und Black Widow bleiben die Charaktere relativ blass. Die Unfähigkeit zu einer Beziehung aufgrund von Banners Angst vor sich selbst und Black Widows verstörender Vergangenheit berührt und ist eine schöne Abwechslung von der ständigen Action.
Statt aber den anderen Helden auch Gefühle zuzugestehen, werden selbst in den kniffligsten Situationen noch coole Sprüche gerissen (was natürlich spätestens seit Stirb Langsam eine Konvention im Genre Action-Film, aber in übermäßigem Gebrauch nicht unbedingt zu begrüßen ist), wodurch man nie um die Helden fürchtet. Denn wo bleibt die Spannung, wenn es doch klar ist, dass keiner der Übermenschen in ernster Gefahr schwebt? Dabei muss man sagen, dass die coolen Sprüche und Witze öfter verpuffen, als zünden. Hawkeye schafft es noch am Ehesten einen zum Lachen zu bringen.
Und so fühlt man nie wirklich mit den Protagonisten mit und selbst das eigentlich traurige Schicksal eines Charakters am Ende des Films lässt einen kalt, da man ihn einfach nicht gut genug kennt und keine Verbindung zu ihm knüpfen konnte. Und in der wenigen Zeit auf der Leinwand, die er hat, wirkt er eher hochnäsig.
Am Ende von Avengers: Age of Ultron sind die Weichen nicht nur für den nächsten Teil, Avengers: Infinity War, gestellt. Auch der Konflikt zwischen Captain America und Iron Man wurde kurz noch einmal aufgegriffen und ebnet so den Weg zu Captain America: Civil War, der, nach dem fantastischen The Return of the First Avenger, der wohl vielversprechendste Titel aus dem Hause Marvel seit Guardians of the Galaxy ist. Vielleicht wird diesem Film ja der Platz für die großen Emotionen eingeräumt, wenn es nicht mehr sicher ist, wer überleben wird und wer nicht. Es ist schwer einzuschätzen, ob Marvel einen seiner Goldesel wirklich sterben lässt. Aber das ist Stoff für eine andere Review.

Wem Marvel’s The Avengers gefallen hat, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. Superhelden-Fans sollten sich den Film auf jeden Fall gönnen. Er ist Popcornkino von seiner besten Seite, jedoch ohne die Tiefe eines The Dark Knight.

Randnotiz: Der Quicksilver aus X-Men: Zukunft ist Vergangenheit ist um einiges sympathischer als der in diesem Film. Auch gibt es in Age of Ultron keine so spektakuläre Inszenierung seiner Geschwindigkeit wie in dem Mutantenfilm. Da (und auch in Aspekten der Charakterzeichnung) hätte sich Marvel eine Scheibe von Fox abschneiden können.

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