James Bond 007: Spectre

Der Kreis schließt sich

James Bond 007: Spectre ist ein würdiger Abschluss für Daniel Craigs Bond. Wenn der Mime denn tatsächlich nicht mehr als Doppelnull-Agent zurückkehrt. Auch wenn der Film nicht perfekt ist und leider nicht an seinen Vorgänger herankommt, ist er doch ein Augenschmaus und bleibt seine ganzen 148 Minuten lang spannend. Bonds verstorbene Chefin M schickt den Geheimagenten auch noch aus dem Grab heraus auf eine Mission, die ihn wieder einmal an einige der schönsten Plätze der Welt bringt. Dabei stößt 007 auf eine Geheimorganisation, die dem Film ihren Titel gibt und nicht weniger anstrebt als die Weltherrschaft. Aus dem Schatten heraus versteht sich. Wie der Kraken auf ihren Siegelringen, hat Spectre seine Tentakel überallhin ausgestreckt und kontrolliert mehr als Bond zunächst klar ist. Der Kopf der Organisation, Franz Oberhauser, ist ein alter Bekannter Bonds und, wie er selbst sagt, „der Urheber aller Schmerzen“ des Agenten.

Bild via Sony Pictures

© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

„Spectre“ ist ein Krieg an zwei Fronten. Denn während Bond das Syndikat bekämpft, muss sein neuer Boss, der ebenfalls M heißt, für den Erhalt seiner Organisation und gegen ein Abkommen zur weltweiten Überwachung kämpfen. „George Orwells schlimmster Albtraum“, wie er es nennt. Mehr Einsatz als in diesem Film musste noch kein M der langen Bond-Geschichte zeigen. Der neue Chef des MI6 bekommt seine eigene Nebenhandlung und wird physisch mehr gefordert als jemals zuvor. Und auch der neue Q hat diesmal mehr zu tun als nur Bond mit Gadgets auszustatten. Er ist eine essenzielle Unterstützung, nicht nur des Agenten, sondern auch von M. Ziel zahlreicher Flirts und Vorzimmerdame Miss Moneypenny bekommt dieses Mal dafür weniger zu tun als im Vorgänger James Bond 007: Skyfall.

Ein Spektakel mit Fehlern

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Das neueste Abenteuer des Doppelnull-Agenten ist ein Spektakel, angefangen bei der gigantischen Eröffnungsszene in Mexiko City bis hin zum explosiven Showdown in London. Es gibt einen Kampf in einem fliegenden Hubschrauber (dem man leider die Arbeit vor der Green Screen ansieht) und einen in einem Zug, eine Verfolgungsjagd mit einer Propellermaschine durch die schneebedeckten Berge Österreichs sowie eine in schnellen Autos durch die Straßen Roms. Und mit Explosionen wird auch nicht gespart. Was die Action angeht, hat der neue Bond-Film alles, was das Herz begehrt. Storytechnisch gibt es jedoch leider Einiges zu bemängeln.
So gibt es ein paar Plot Holes im Drehbuch, wie die Frage, warum Bond seine Geliebte ohne Einwände gehen lässt; die Frage, wie der junge Bond in der Obhut von Vater Oberhauser gelandet ist; oder die mehrmalige Schlampigkeit beider Seiten, wenn es darum geht, Gegner auszuschalten, die daraufhin überleben und zurückkommen, um ihren Job zu Ende zu bringen. Auch die Verführung Monica Belluccis in der Rolle der frischgebackenen Witwe scheint etwas übertrieben. Natürlich wird das vom Ladykiller Bond erwartet und er hat sie ja schließlich auch vor dem Tod bewahrt. Aber reicht diese Rettung wirklich, um sie die Gefahr, in der sie schwebt, vergessen und mit diesem Unbekannten schlafen zu lassen? Muss man Klischees wirklich beibehalten? Anscheinend ja.

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Doch das ist nicht das Einzige, was etwas unglaubwürdig bleibt. Auch die Motivation Oberhausers ist nicht ganz nachvollziehbar. Und insgesamt scheint die Figur nicht bis zum Ende durchdacht zu sein. Wenn dieser Mann so sadistisch und intelligent ist, wie er dargestellt wird, warum lässt er Bond dann so oft eine Chance, sich zu retten? Beim ersten Mal kann man noch ein Auge zudrücken. Die Sache scheint für Oberhauser sicher zu sein und als Bond gefoltert wird, in einer Szene, die Erinnerungen an „Goldfinger“ hochkommen lässt, begeht Oberhauser den Fehler der alten Bond-Bösewichte und tötet ihn in seinem Hochmut nicht sofort. Beim zweiten Mal fühlt sich das jedoch nur an wie ein von den Autoren zu einfach gewählter Ausweg des Helden aus der brenzligen Lage.
Auch hat dieser Oberschurke, diese Nemesis des Helden, nicht die Bedrohlichkeit eines Raoul Silva, sondern nur seine sadistische Verspieltheit. Etwas mehr Hass und Neid auf Bond in seiner Darstellung hätten dem Antagonisten gut getan. Denn Bond zu quälen ist für Oberhauser etwas persönliches. Stattdessen bleibt Waltz (Inglorious Basterds, Django Unchained) bei seiner üblichen, kühlen, aber charmanten Art, Bösewichte zu spielen, die hier nicht ganz passt. Auch der bisher relativ skrupellose Bond von Craig (Road to Perdition, Der goldene Kompass) ist nicht so wütend und rachsüchtig wie man es in dieser Situation erwarten könnte. Ob das an einer moralischen Weiterentwicklung oder an seiner neuen Herzensdame liegt, wird nicht ganz klar.

Der Schatten von Skyfall

Das Urteil über den Film würde wahrscheinlich besser ausfallen, müsste er sich nicht in allen Aspekten mit seinem Vorgänger messen. Die Qualität des oscarnominierten Soundtracks von „Skyfall“ wird nicht erreicht. Sam Mendes (Jarhead – Willkommen im Dreck, James Bond 007: Skyfall) bringt uns ein paar visuelle Highlights, kommt aber nicht ganz an die optischen Offenbarungen seiner letzten Bond-Inszenierung heran. „Spectre“ erreicht nicht die dramatische Tiefe von „Skyfall“ im Aufeinandertreffen Bonds mit dem Mann, der hinter all seinen Verlusten steckt. Das bedeutet aber nicht, dass der Film nicht sehenswert ist. Das neueste Abenteuer des britischen Agenten ist unterhaltsam, spannend und schließt den Kreis, der mit „Casino Royale“ begonnen wurde. „Spectre“ ist ein guter Film, den man 2015 auf jeden Fall gesehen haben sollte.

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Wem Daniel Craigs Version des Agenten im Dienste ihrer Majestät bisher gefallen hat, wird auch hier nicht enttäuscht. Und für Fans der alten Bond-Filme gibt es den ein oder anderen nostalgischen Querverweis. Aber auch wer nichts mit all dem am Hut hat, wird hier auf seine Kosten kommen.

Randnotiz: Dave Bautista als Mr. Hinx ist ein würdiger Nachfolger des Beißers aus Der Spion, der mich liebte und Moonraker – Streng geheim.

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1 Antwort

  1. 15. Juni 2016

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