Die 5. Welle – Filmkritik

Löchrig wie ein Schweizer Käse

Wo soll man anfangen, wenn Aliens wieder einmal die Erde bedrohen? Vielleicht mit der offensichtlichen Frage: Taugt der Film was?
Er hat eigentlich ein paar gute Ansätze, die nur leider allesamt die Toilette hinuntergespült werden. Zunächst denkt man, die Story hätte mehr Löcher als ein Schweizer Käse, bis diese sich als Wendungen herausstellen. Das hilft aber nicht, den faden Beigeschmack, der sich während dem Verlauf der Geschichte gesammelt hat, hinunterzuspülen. Man kommt nicht umhin, mit dem großen Twist unzufrieden zu sein. Auch weil man ihn irgendwann erahnt. Und auch wenn die großen, vermeintlichen Logiklöcher gestopft werden, bleiben doch immer noch kleine, die den Genuss des Vorgesetzten vermiesen.

Kindersoldaten auf dem Spielplatz

Der Ansatz, Kindersoldaten in die Handlung miteinzubeziehen, bietet so viel Potenzial, bleibt aber völlig hinter den Erwartungen zurück. Wo die psychischen Auswirkungen des Tötens auf den Geist eines jungen Menschen bei Cassie (Cloë Grace Moretz) noch gezeigt werden, scheinen die anderen Kinder überhaupt keine Gewissensbisse zu haben. Auch wirkt das Ausbildungslager eher wie ein Spielplatz, als eine Schmiede für stahlharte Killer. Wäre Beasts of No Nation doch nur früher erschienen, womöglich hätten sich die Filmemacher dann eine Scheibe von diesem bedrückenden Meisterwerk abschneiden können. Auch an das Charisma eines Agu kommt keiner der Teenager heran. Besonders die Emobraut (Maika Monroe) hat die Ausstrahlung eines Klumpen Teigs, wo sie doch eigentlich eine taffe junge Frau sein sollte.

© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

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Mehr Einzelkämpfer, weniger Schnulze

So wünscht man sich, die Handlung wäre auf Cassies einsamen Kampf fokussiert. Mit Betonung auf einsam, denn die Romanze zwischen ihr und dem „mysteriösen“ Evan (Alex Roe), der später als Deus Ex Machina fungiert, verwässert die spannende Prämisse, einer jungen Einzelkämpferin, die sich ohne Hilfe durch eine Welt, in der an jeder Ecke Gefahren lauern, schlagen muss. Die Geschichte von Cassie ist eigentlich interessant, wird aber nach ihrem Aufeinandertreffen mit Evan weichgespült.

© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

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Und dass dieser sich von seinen Leuten abwendet, nur weil er Cassie durch sein Fernrohr erspäht, wirkt doch etwas übertrieben. Am Ende spürt man dann auch, dass sich eine Romanze zwischen Cassie und ihrem Highschool-Schwarm Ben (Nick Robinson) ankündigt, was in zukünftigen Geschichten natürlich zu Spannungen zwischen dem Liebesviereck aus Ben, Evan, Cassie und der Emobraut, die zwar uninteressiert tut, aber doch insgeheim einen Platz in ihrem Herzen für den süßen „Zombie“ hat, führen wird. Woher kennen wir das? Richtig: Aus Twilight, Die Tribute von Panem und jeglicher anderen Teenie-Schmonzette.

© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

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Am Ende bleibt zu viel ungeklärt

Am Ende des Films bleiben einfach zu viele Fragen und Handlungsstränge offen, als dass man den Kinosaal befriedigt verlassen könnte. Zum Beispiel, wie die Aliens, die die Größe von Steinen haben, Geräte bedienen, geschweige denn entwickeln können. Doch das bleibt genauso unbeantwortet, wie die Frage, auf welche Art sie denn nun die Naturelemente beherrschen. Haben sie sich auch schon früher Wirtskörper gesucht, in denen sie hausen und die sie für ihre Pläne einspannen können? Würden wir diese fremden Wesen sehen, die genau wie die Menschheit von den Parasiten befallen sind? Das wäre doch mal interessant gewesen. Stattdessen wird überhaupt nichts erklärt.

© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

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Fortsetzen oder nicht fortsetzen, das ist hier die Frage

Möglicherweise heben sich die Filmemacher die Antworten auf solche Fragen für den nächsten Teil auf, sollte es denn jemals einen geben. Doch das macht das Erlebnis nicht runder. Man geht mit offenen Fragen aus dem Film, die nicht Interesse an mehr Geschichten aus dieser Welt auslösen, sondern nur Frustration. Und ja, Die 5. Welle endet mit einem Cliffhanger. Es gibt keinen grandiosen Sieg über die Invasoren. Die Jugendbuchtrilogie von Rick Yancey soll dieses Jahr beendet werden. Somit ist auch Cassies Geschichte am Ende des Films noch lange nicht erzählt. Als erfahrener Kinogänger kann man sich zwar denken, dass Fortsetzungen geplant sind, ohne zu wissen, dass der Film auf einem Teil einer Trilogie basiert, eine Geschichte braucht nichtsdestotrotz einen Abschluss. Und den gibt es nicht. Nur ein offenes Ende. Und nicht mal für die Effekt lohnt es sich, ins Kino zu gehen. Die Naturkatastrophen und Zerstörungen hat man schon tausendmal gesehen, und zwar besser, und teilweise wirken die Animationen vorsintflutlich (auch die Sintfluten selbst).

Wer Lust auf Twilight meets Hunger Games und einen Mischmasch aus allen möglichen Alien-Invasionsfilmen hat, der sollte Die 5. Welle nicht verpassen. Alle anderen sollten einen großen Bogen darum machen.

Randnotiz: Die Bücher, auf denen der Film basiert, sollen anscheinend gut sein. Also probiert es vielleicht erst mal mit denen.

Some Call Me The Joker

"The Joker" - The Steve Miller Band, 3. Vers

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1 Antwort

  1. 12. Februar 2016

    […] Die 5. Welle – Filmkritik […]

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